Die Künstliche Intelligenz (KI) beeinflusst die Art und Weise wie wir arbeiten. Dabei wird bisher vor allem über die Technologie und deren Möglichkeiten gesprochen. Doch welche Auswirkungen hat KI auf den Menschen und die Firmen- und Führungskultur? Und welche entscheidende Rolle spielen Führungskräfte?
KI beeinflusst seit der Lancierung von ChatGPT Ende November 2022 die Art, wie wir (im Büro) arbeiten. Auch die Gespräche, die wir im Geschäftsumfeld führen, drehen sich oft um ChatGPT, Gemini & Co. «Ich gibs no schnäll in ChatGPT iih» oder «ChatGPT hett das für mich zämegfasst» sind Sätze, die wir wohl alle in den letzten Tagen (oder Wochen) benutzt haben. Meist meinen wir damit: Wir haben etwas schneller erarbeitet oder gefunden als auf dem herkömmlichen Weg.
Genau deshalb wird KI heute in fast allen Fällen als Effizienztool genutzt und diskutiert. Eine wichtige Komponente – wenn nicht sogar die wichtigste – geht dabei jedoch oft vergessen: der Mensch und die Art, wie wir zusammenarbeiten.
Der Faktor Mensch: Was macht KI mit uns?
Einerseits entlastet uns KI. Das passiert dann, wenn wir Menschen mehr Zeit für wertschöpfende Arbeit gewinnen: weniger Routine, schnellere Vorbereitung, manchmal sogar eine bessere Ausdrucksweise (z.B. beim Strukturieren von Texten). Andererseits kann KI auch entfremden - nämlich dann, wenn Arbeit an Sinn, Autonomie oder Beziehung verliert. Zum Beispiel, wenn Mitarbeitende nur noch zu Reviewer:innen statt Gestalter:innen werden, Inhalte zwar glatt und «perfekt», aber ohne eigene Haltung wirken, oder wenn Unsicherheit durch KI ausgelöst wird (Stichwort: Wegfall von Stellen).
KI kann also beides auslösen: Entlastung und Entfremdung.
Wie sich unsere Arbeit mit KI verändert
Mit KI verschwinden nicht einfach so Jobs. Vielmehr werden sich – wie bereits mit dem Internet und der Digitalisierung – Aufgaben verändern und verschieben. Entscheidend ist, dass wir antizipieren, welche Aufgaben KI künftig übernimmt, welche wir weiterhin selbst ausführen, und welche neuen Aufgaben hinzukommen.
Damit wird auch die Relevanz von Human Resources (HR) in den nächsten Jahren zunehmen: Rollenprofile werden sich verändern, andere Skills werden nötig sein, und neue Lernpfade müssen erschlossen werden.
Kommunikation wird schneller – und missverständlicher
Mit KI-generierten Antworten werden Texte und Präsentationen in Sekunden erstellt. Was dabei leicht auf der Strecke bleibt, sind Tonalität und Kontext. Denn nur die Person, die den Prompt eingibt, kennt die Ausgangslage, die Zielgruppe und die gewünschte Tonalität wirklich. Das führt dazu, dass Texte oft gut geschrieben sind, aber ohne Seele, ohne Ecken und Kanten. Umso wichtiger ist es, Klarheit über die eigenen Erwartungen zu haben:
- Wofür benutze ich KI konkret?
- Welches Ziel will ich damit erreichen?
- Welche Tonalität soll angesprochen werden?
- Was muss unbedingt im Kontext bleiben, damit es nicht falsch verstanden wird?
KI-Nutzung ist Führungsarbeit
Viele Unternehmen gestatten den Gebrauch von KI in der täglichen Arbeit. Doch selten werden klare Leitplanken festgelegt:
- Welche Tools sind okay?
- Wofür benutzen wir KI – und wofür bewusst nicht?
- Was ist tabu (Stichwort: vertrauliche Daten)?
- Wie kritisch prüfen wir KI-generierte Antworten?
- Und wer ist am Ende verantwortlich?
All diese Fragen sollten von Unternehmen und Führungskräften geklärt oder zusammen mit dem Team erarbeitet werden. KI «einfach laufen lassen» ist sicherlich keine Strategie.
Wie fair ist KI?
Eine grosse Diskussion rund um KI betrifft seit geraumer Zeit auch Bewerbungstools - vor allem in grossen Unternehmen: Wie fair ist KI? Welche Vorurteile (Bias) kann sie verstärken? Und wie können Unternehmen einen fairen Rekrutierungsprozess trotz KI garantieren? Transparenz ist hier zentral: Transparenz darüber, wo KI im Rekrutierungsprozess eingesetzt wird, wie mit Bias-Risiken umgegangen wird und wie Entscheidungen am Ende zustande kommen.
KI: Chancen und Herausforderungen
Ganz klar: KI bietet eine Unzahl von Vorteilen in unserer täglichen Arbeit: von gesteigerter Produktivität über einen höheren Qualitätsstandard bis hin zu besserem Wissenszugang. Heute sehen wir oft zuerst die positiven Seiten.
Doch die neue Technologie bringt auch Herausforderungen mit sich: die Frage nach Verantwortung, Datenschutz, Vertrauen – und nicht zuletzt die Angst vor Jobverlust. Diese Punkte zu kennen und mit der nötigen Vorsicht zu handeln, ist im Umgang mit KI existenziell. Und gefordert sind dabei vor allem die Führungskräfte.
Führungskräfte und KI: Jetzt handeln!
An den Führungskräften in den Unternehmen liegt es nun, die Mitarbeitenden im Umgang mit KI zu orientieren – und ihnen Sicherheit zu geben. Folgende Punkte sollten definiert werden:
- Priorisieren: Wo entsteht echter Nutzen mit KI?
- Leitplanken definieren: Mit welchen Tools arbeiten wir? Welche Datenregeln gelten? Wo braucht es Freigaben?
- Kompetenz fördern: Kritisches Prüfen von Antworten, Erkennen von Bias und Grenzen der KI
- Arbeitsweisen anpassen: Welchen Einfluss hat KI auf Meeting- und Entscheidungsregeln sowie die einzelnen Rollen im Team?
- Transparenz schaffen: Warum setzen wir KI ein? Wozu und was ändert sich und was bewusst nicht?
KI ist ein Kulturprojekt
Es lässt sich also festhalten: Der Umgang mit KI ist viel mehr als nur die Einführung und Nutzung eines weiteren Tools. Der Einfluss auf Zusammenarbeit, Rollen und Arbeitsweise verändert Teams und Unternehmen.
Am Ende entscheidet die Kultur, ob KI entlastet oder verunsichert.

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